Wussten Sie schon, dass die Hornbosteler Bauern, wenn sie ihre Äcker bestellen wollten, mit ihren Gespannen durch das Dorf Wietze fahren mussten, die Wietzer aber ihre Felder nur erreichen konnten auf Wegen, die über Hornbosteler Ländereien führten? (mehr)

Ein Brandstifter treibt sein Unwesen

Die Ursachen der zahlreichen Gebäudebrände und Brände in den Wäldern Ende 1974/Anfang 1975 waren alle durch Brandstiftung erfolgt. Leider konnte anfangs keiner als der Tatverdächtige erkannt werden. Unsere Polizei sowie die Landeskriminalpolizei in Celle baten dann dringend alle Einwohner unserer Gemeinde um Hinweise zur Ermittlung des Brandstifters. Die Gemeinde gab daraufhin in ihrem Mitteilungsblatt bekannt, dass sie für Hinweise, die zur Überführung des Brandstifters führen würden, eine Belohnung in Höhe von 5.000 DM zahlen würde. Die Abscheulichkeit dieser Taten wurde allein dadurch gekennzeichnet, dass völlig unmotiviert das Heu einer Familie in einer Feldscheune angezündet wurde, nachdem es nach einem regenreichen Sommer nur nach großen Anstrengungen hatte eingefahren werden können. Oder auch nach dem Anzünden eines Schafstalles der Täter dafür sorgte, dass die Schafe mit verbrennen mussten, weil er die Türen verrammelte. Nur durch einen glücklichen Zufall konnten die Tiere in einem letzten Augenblick leicht angesengt doch noch geborgen werden. Nach weiteren Brandstiftungen, besonders auch im Walde, ergaben die Beobachtungen dann, dass sich ein Feuerwehrmann außergewöhnlich bei den Bränden verhielt und unter anderem immer als Erster an der Brandstelle! war und tatkräftig die Feuerbekämpfung mitmachte. Außerdem kündigten die Sirenen immer dann einen Brand an, wenn der jetzt unter Verdacht stehende nicht auf seiner Arbeitsstelle in Hannover sein musste. Zu solchen Zeiten wurde der ortsnahe Wald beobachtet. Bei einem erneuten Alarm wegen eines Waldbrandes fuhr der Einsatzleiter der Wietzer Feuerwehr bewusst in die falsche Richtung. Darauf protestierte der Verdächtige erheblich, obwohl noch nirgends irgendeine Rauchentwicklung zu sehen gewesen war. Er brachte dann den Löschtrupp auf geradem Wege sofort zur richtigen Stelle. Als bei den Löscharbeiten seine Feuerwehrkameraden ihn dann gewaltig unter Druck setzten und ihm ihren Tatverdacht vorhielten, gestand er die Tat ein und das Gericht wurde sofort angerufen. Am 11.2.1976 versammelte sich dann das Schöffengericht im Gasthaus Maul, um über diesen ehemaligen Wietzer Feuerwehrmann zu Gericht zu sitzen. Es ging um den Brand einer Kiefernschonung am 29. April 1975 hinter dem Waldfriedhof, der als der derzeit letzte Brand uns zur frühen Nachmittagsstunde aufgeschreckt hatte. Dank des schnellen Eingreifens unserer Feuerwehr konnte ein größeres Ausmaß des Feuers verhindert werden und nicht zu einer Katastrophe kommen, wie es letztlich aus dem Bereich Eschede noch gut in Erinnerung war. Vor dem Gericht hatte der vorläufig festgenommene Feuerwehrmann am nächsten Tag ein volles Geständnis abgelegt, den vernehmenden Kriminalbeamten an Ort und Stelle die Tat geschildert, dann aber alles widerrufen. Auch ein zweites Geständnis widerrief der Angeklagte und leugnete die Tat bis zuletzt. Da zum Teil aber auch Wietzer Kinder handfeste Indizien liefern konnten, war der Täter nach Meinung des Gerichts einwandfrei überführt. Das noch nicht rechtskräftige Urteil von einem Jahr Gefängnis wurde dann zur Bewährung ausgesetzt. So kam er mit zwei blauen Augen davon. Die Feuerwehr hatte ihren früheren Kameraden aber bereits 1975 gleich nach dem Bekanntwerden der Tatsachen aus ihren Reihen ausgeschlossen. Seitdem ist die Gemeinde von Brandstiftungen verschont geblieben.

Dr. Erich Bunke - Auszug aus seinem Buch »Wietze im 20. Jahrhundert«