Wietze und der liebe Gott: Hat Gott Wietze bevorzugt?

Helga Verhovecs DEA-Jahre/1956-65

Helga Verhovec: Meine Jahre bei der DEA

1956 bis 1965

01.04.56 – 31.03.1958: Lehre als Bürogehilfin (Stenotypistin)
01.04.58 – 30.09.1965: Schreibstube Büro Dorf und Bedienung Fernschreiber

1956 = 1.500 Mitarbeiter in Wietze
3 Schreibstuben: Büro Dorf – Büro Bohrbetrieb – Büro Schacht
ca. 30 Schreibdamen und 3 Vorstandsdamen
3 Herren Direktion (Kaufm. Lammert, Dr. Brüske oder Dr. Doldi) Techn. Dr. Hoffmann u. Dittrich 2 bzw. 3 Sekretärinnen

Notgedrungen muss ich hin und wieder die Arztpraxis im ehemaligen Verwaltungsgebäude aufsuchen, was natürlich auch Wartezeiten mit sich bringt.

Es wandern die Gedanken in die Vergangenheit. Ich sehe die Räume mit den ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern besetzt. Gehobene Posten waren nur „männlich” besetzt oder im Personal- und Schreibbüro mit jungen Damen und älteren, die nicht verheiratet waren. Es lag aber auch daran, dass die 20er Jahrgänge nicht heiratswillig waren, sondern schlichtweg die Männer dieser Jahrgänge im Krieg verblieben sind.

Eine ältere Kollegin (29 Jahre alt) meinte damals, wenn ich denn doch noch heiraten sollte, dann aber auch sofort ein Kind. Ich dachte, was will die „Alte” noch mit einem Kind. Heute denken die Frauen erst mit Mitte 30 an Familienplanung, da war ich fast schon Großmutter.

Wenn im Konferenzsaal Sitzungen stattfanden, gab es Kaffee und Gebäck. Das durften dann auch die Damen aus den Schreibstuben vorbereiten und natürlich auch anschließend das Geschirr abwaschen.

Es war keine Dame abkömmlich und so wurde ich als Lehrling zum Sekretariat beordert. Durch die Pendeltür in den Bereich der Direktion war es nur mit triftigem Grund erlaubt. Im letzten Jahr habe ich mir die Pendeltür und die heiligen Räume noch einmal zeigen lassen, bis auf das Mobiliar hat sich nichts verändert, aber gewöhnlich muss jetzt eine Zahnbehandlung anstehen.
Ich also angeklopft und hinein ins Heiligtum. Die Sekretärin sieht mich und blufft mich an:
den dümmsten Lehrling schickt man mir. Verdattert kehrt. Zu blöd zum Abwaschen! Ich komme aus einer großen Familie, da war Abwaschen an der Tagesordnung.
Später wurde sich herausgeredet: Den jüngsten Lehrling hätte sie gesagt. Es blieb immer ein gespanntes Verhältnis und Sekretärin wollte ich nie werden.

Die ganz eiligen Fernschreiben wurden mir per Telefon übermittelt, die ich dann direkt vorn Stenoblock senden musste. Da war konzentrieren und auch korrektes und schnelles Schreiben angesagt. Jeder Fehler ist sofort auf der Gegenseite eingegangen. Korrekturen gab es nicht, man konnte aber das falsche Wort durch „e e e „ annullieren und wiederholen. Die Ausgangs-und Eingangsmappen wurden aber täglich von der Direktion abgesegnet.

Die Stenogramme hatten aber so ihre Tücken:

Die Tiefe als Teufe war das erste Wort, was man sich unbedingt merken musste.
Ein Abteilungsleiter aus Sachsen hat das „P” immer wie „B” gesprochen. Also war bei mir vom „Packer” ein „Bagger” geworden, was wenig mit dem Bohren zu hatte.
Die O-Ringe sind immer wieder Ohrringe geworden.
Die Schweißarbeiten hatten ihre Tücken, das „w” ist oft beim Schreiben verschluckt worden. Sehr peinlich wäre es für mich geworden, wenn ich das so übertragen hätte. Was sollte bloß katholisch in einem technischen Bericht? „kathodisch” kam noch rechtzeitig die Erleuchtung!

Wietze, Februar 2008

Wussten Sie schon, dass die Storchenwiederansiedlung in Jeversen gelungen ist?