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Bobby Grass

Lebenslauf-
  • 4. August 1948: in Berlin geboren
  • Ende 1948: Familie zieht nach Hannover
  • 1955: Rückkehr nach Berlin
  • 1962: erste eigene Gitarre
  • 1966: Start als professioneller Musiker; Dolmetscher bei den amerikanischen Streitkräften in Berlin
  • 1972: Auftritte mit ,The Country Squires”
  • 1982: erster Hit „Engel haben immer kalte Füße”; Vorstellung bei „Hitparade” im Fernsehen
  • 1983: Tournee mit Gunter Gabriel
  • 1984: einstündige Sendung im AFN Berlin
  • 1988: Ende der Karriere als professioneller Musiker
  • 1994: Amerikaner verlassen Berlin, Beendigung der Dolmetschertätigkeit/arbeitslos/Umzug nach Wietze
  • 1997: Aufnahme der Tätigkeit als Musikausbilder in Soltau und Jeversen

„Ami-Sender” liefert musikalische Idole"
Bobby Grass - obschon nur der Künstlername des Wahl-Jeverseners - ist längst zu seinem „offizellen” geworden, auch nach dem Ausstieg aus dem Show-Geschäft. Nachdem er mit 14 die erste Gitarre geschenkt bekam, brachte sich der Country-Fan weitgehend selbst das Musizieren bei und landete unter anderem mit „Engel haben immer kalte Füße” einen Hit, Auftritte bei Dieter Thomas Heck folgten, er ging mit seiner Band auf Tournee. Dann kam der Absturz: Er gab
die Musik auf, seinen Job als Dolmetscher verlor er mit Abzug der britischen Streitkräfte aus Berlin.

Ein echter Star lebt in Jeversen - zumindest zeitweise. Am Haus in der Schmiedestraße steht „Bobby Grass”, und der führt den Besucher sogleich in ein kleines Tonstudio. Bobby Grass ist sein Künstlername, verrät der Bewohner sogleich, seinen Geburtsnamen nennt er nicht, wohl aber seinen Geburtsort. Bobby Grass wurde 1948 in Berlin geboren. Viel hat er allerdings von seiner Umgebung nicht mitbekommen, denn seine Eltern verließen kurz darauf Berlin und siedelten nach Hannover um. Sieben Jahre später ging's dann wieder zurück, diesmal zogen sie jedoch in den gutbürgerlichen südwestlichen Bezirk Dahlem.

Gitarrenspiel selbst beigebracht
„Bobby Grass” - der Name klingt nach Country und das ist durchaus beabsichtigt. „Mit 14 Jahren bekam ich meine erste Gitarre geschenkt. Ein Freund brachte mir jene fünf Akkorde bei, die er selbst konnte. Die habe ich gelernt und alles andere habe ich mir selbst angeeignet. In der Musik hin ich ein richtiger .Autodidakl erzählt Bobby Grass. In Berlin gab es in jenen Tagen neben anderen Sendern den AFN. Das war das Sendekürzel und stand für „American Forces Network”. Eigentlich für die amerikanischen Soldaten in Berlin gedacht, fand er sein treuestes Hörerpublikum unter der Berliner .lugend. Das lag in erster Linie an der flotten Musik, die vom Funkhaus in den Äther ging. Bobby Grass war ein ausgemachter Anhänger der Country und Westernmusic, die ebenfalls ein fester Bestandteil des AFN-Programms war. Der Berliner Jungmusiker versuchte sich auf seiner Gitarre mit diesem ur-amerikanischen Musikstil und nahm dabei die Western-Stars Hank I.ocklin oder Don Williams zum Vorbild. Bald gründete er mit vier Gleichgesinnten eine eigene Band, die sich „The Country Squires” nannten.

In Berlins Szenekneipen folgten die ersten Auftritte, unter anderem in der "Eierschale" - vorzugsweise von Studenten frequentiert - oder der „Badewanne”, Treffpunkt der damaligen Schickeria. Auftritte in den zahlreichen amerikanischen Clubs im Westen der geteilten Viersektorenstädt waren ebenfalls von Erfolg gekrönt und brachten den jungen Musikern die Gewissheit, dass ihr Stil sogar von Menschen aus dem Mutterland der Country-Music anerkannt wird.
„Wir hatten viele Fans unter den Amis.” Dann wurde es aof einmal „märchenhaft”, wie Bobhi Gras die Situation in der Rückschau bezeichnet.

.Ein Produzent war unter den Zuhörern. Nach einem Auftritt bot er uns einen Plattenvertrag an und stellte diverse Tourneen in Aussicht." Natürlich griffen die Musiker sofort zu. Die Sache hatte jedoch einen kleinen Haken: der Plattenproduzent bestand auf einem zugkräftigen Namen. So kam also "Bobby Grass" zu seinem Künstlernamen. Seit dem Ende der 70er Jahre steht dieser Name in seinem Ausweis, darunter firmiert er als Komponist und Texter.

Die versprochenen Platten kamen zustande, hatten Erfolg, und die angebotenen Tourneen ebenfalls. Sie führten nicht nur durch Deutschland, sondern schlossen Konzerte im benachbarten Ausland wie Luxemburg, Italien, Österreich und der Schweiz ein.
Es meldeten sich Radiostationen und das Fernsehen. Den ersten Auftritt in der Hitparade schaffte Bobby Grass 1982 mit seinem Hit „Engel haben immer kalte Füße". In den Folgejahren war er noch mehrmals bei TV-Legende Dieter Thomas Heck zu Gast. 1983 stand er mit Gunter Gabriel auf der Bühne. Eine Art Rückkehr zu den Wurzeln erfolgte ein Jahr später. Der Sender AFN Berlin holte ihn zu „One Hour Uninterrupted Bobby Grass” - eine Stunde ununterbrochen Bobby Grass - hieß die Sendung.

Es kriselt auf dem Höhepunkt des Erfolgs
Auf der Höhe des Erfolges waren jedoch schon erste Anzeichen eines Bruchs absehbar. Bobby Grass trennte sich von seiner Band - oder sie von ihm, je nach Blickwinkel. „Ich glaube, der Bandleader hat es nicht verkraftet, dass mein Name immer ganz groß auf den Ankündigungen stand”, meint Bobby Grass. Er gründete seine eigene Band und versuchte mit der „Bobby-Grass-Band” an alte Erfolge anzuknüpfen. Das gelang, jedoch nach ein paar ,Jahren war dann alles zu Ende. „Ich war ausgebrannt, wollte keine Musik mehr machen - aus, vorbei”, charakterisiert Bobby Grass heute den damaligen Tiefpunkt. Der wurde nicht durch Alkohol oder Drogen ausgelöst. Drogen hat er nie genommen, erklärt Grass, Alkohol nur in Malten getrunken. Doch das Musikgeschäft neben einem bürgerlichen Beruf zu betreiben - Bobby Grass war seit 1966 bei den amerikanischen Streitkräften als Dolmetscher angestellt - war schwer. Grass machte die Übersetzertätigkeit zu seinem Hauptberuf. Als Konsequenz verkaufte er so nahezu alles, was mit Musik zu tun hatte, einschließlich seiner Gitarren - bis auf drei.

Der Berliner Bobby Grass freute sich 1989 ganz besonders über den Fall der Mauer und ebenso, als ein knappes Jahr später Deutschland wiedervereinigt wurde. Er sah je-doch voraus, dass es für ihn einen Wermutstropfen geben wird, wenn die vormaligen Besatzungsmächte Deutschland verlassen. Das geschah im Jahr 1994, vielbejubelt. Für Bobby Grass bedeutete die endgültige Souveränität Deutschlands die schmerzliche Gewissheit, arbeitslos zu sein. Die Amerikaner als Arbeitgeber waren weg, seine Musikerlaufbahn hatte ein Ende gefunden und auf dem Arbeitsamt wurde er als „Ungelernter” geführt. Er galt als „nicht vermittelbar”, wie es im Amtsjargon hieß. „Es war entsetzlich”, erinnert sich Robby Grass.

So beschloss er, wieder Musik zu machen. Diesmal jedoch stellte er sich nicht mehr selbst auf die Bühne, vielmehr betrieb er mit einem alten Bekannten eine Musikschule in Soltau. Durch Mund-zu-Mund-Propaganda hat sich schnell herumgesprochen, dass Bobby Grass und sein Freund ihre eigenen Profi-Gitarren zur Verfügung stellen. Natürlich wird auch Musik-Theorie unterrichtet, aber „ich erschlage die Schüler nicht mit Noten”. sagt Bobby Grass. Inzwischen ist sein Freund aus dem gemeinsam betriebenen Unternehmen ausgestiegen und Bobby Grass betreibt die Schule in Soltau sowie deren „Ableger` in .leversen mittlerweile allein. Der eingefleischte Country-Fan ist offen, was die Stilrichtungen angeht. Nach seiner Erfahrung gibt es durchaus Berührungspunkte zwischen Pop-Musik und so genanter Klassik, meint Bobby Grass. Er hört in seinen Mußestunden gern Bach, Grieg und Mahler. Überhaupt hält er die trennenden Einteilungen der Musikrichtungen untereinander für fragwürdig. Deswegen stimmt er Leonard Bernstein zu, der gesagt haben soll, für ihn gäbe es keine Unterhaltungs- oder ernste Musik, sondern nur gute oder schlechte.
„Jeder gute Musiker liebt Klassik”, lautet dazu das Credo des einstigen Country-Stars aus Berlin.

(Von Udo Geruh, CZ vom 27.2.2008)

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