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Südverbindung nach Fuhrberg: 2. Versuch

Zweiter Versuch - der "Schlagbaumkrieg"
(von Dr. Erich Bunke aus seinem Buch »Wietze im 20. Jahrhundert«)

Neubelebung dieser Verbindung

Seit 1969 bemühte sich nun die Gemeinde Wietze erneut intensiv um diese Straßenerstellung. Doch die Gemeinden Elze-Bennemühlen wie auch Fuhrberg ließen ihre Straßenneu/-ausbauten jeweils nur 500 bis 600 m vor der Kreisgrenze enden und sperrten dann jeglichen Durchgangsverkehr. Bezeichnenderweise erhielten Bewohner der oben genannten Orte des Landkreises Burgdorf die berufliche oder verwandtschaftliche Beziehungen im Raume Wietze hatten, besondere Erlaubnisscheine für das Durchfahren. Dieses wurde Wietzer Bürgern verwehrt, und wiederholt erhielten unsere Bewohner beim Durchfahren dieser. Strecke Strafmandate mit 50 DM Geldstrafe.

Im Jahre 1972 schien dieser unhaltbare Zustand, der mehr an eine Zonengrenze als eine innerniedersächsische Kreisgrenze erinnerte, zu Ende zu sein. Das Wasserwerk der Stadt Hannover benötigte zur Versorgung der verstreut liegenden Brunnen eine Straßenverbindung und setzte den Endbau der Straße nach Fuhrberg durch. Es gelang der Gemeinde Wietze entgegen des Einspruchs aus Fuhrberg diese Straßenverbindung offenzuhalten und bis an die Kreisgrenze mit Anschluss an unsere Kreisstraße nach Wieckenberg bauen zu lassen.

Die Straßenverbindung von Wietze über Fuhrberg zur Autobahnauffahrt Mellendorf beträgt etwa 10 km, während die Straßenverbindung von Wietze über Marklendorf zur Autobahnauffahrt Schwarmstedt bis zur Abfahrt Mellendorf 28 km ausmacht. Für etwa 120 Pendler mit zunehmender. Tendenz mit eigenem Fahrzeug, die im Raum Mellendorf, Langenhagen oder Hannover. täglich zur Arbeit fuhren, bedeutete dieser zusätzliche Weg eine beträchtliche tägliche Ersparnis von ungefähr. 36 km, also so viel wie ein in Celle Beschäftigter aus Wietze insgesamt fahren muss.
Jagdpächter wie Landwirte aus Fuhrberg versuchten von Anfang an den verkehr von Wietzern zu behindern, indem sie mit ihren Fahrzeugen ein Überholen behinderten oder das vorbeifahren entgegen kommender Fahrzeuge vorsätzlich erschwerten. Dann wurde der Durchgangsverkehr bis auf landwirtschaftliche Fahrzeuge ohne Ankündigung vom Kreis Burgdorf plötzlich gesperrt.

Hinweis: Fotos können durch Anklicken vergrößert werden.

Gegen diese einseitige Willkürmaßnahme protestierte die Gemeinde Wietze energisch und bat den Kreistag, geeignete Schritte zu unternehmen. damit die Straße wieder geöffnet würde. Auch wurde der niedersächsische Ministerpräsident Kubel anlässlich einer Wahlveranstaltung in Wietze daraufhin angesprochen und gebeten, dass er sich persönlich für diese Straßenverbindung einsetzen möge und notfalls diese Straße als Landesstraße aufzunehmen.

Wir planten, wenn hier keine Änderung erfolgen würde, alle interessierten Bürger unserer Gemeinde zu bitten, mit uns in einer Protestaktion diesen Forderungen in Fuhrberg besonderen Nachdruck zu verleihen.

Vorher wurde aber noch Ministerpräsident Kubel durch ein Schreiben des Bürgermeisters darum gebeten, sich der Angelegenheit anzunehmen.

Schon nach wenigen Tagen kam eine Antwort aus der niedersächsischen Staatskanzlei.

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

Herr Ministerpräsident Kubel hat mich beauftragt, Ihnen für Ihr Schreiben zu danken. Auch der Verkehrsverein Aller-Wietze-Tal hat sich mit einem Schreiben an ihn gewandt. Die beiden Schreiben sind dem zuständigen Ressort zugeführt worden. Ich werde mich sofort wieder melden, wenn ich etwas erfahren habe.

gez. Spitta

Erst Ende 1973 erhielten wir vom persönlichen Referenten des Ministerpräsidenten Rubel folgendes Schreiben.

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

heute komme ich zurück auf mein Schreiben vom 01.06.1973 und möchte Ihnen mitteilen, dass der Niedersächsische Minister für Wirtschaft und öffentliche Arbeiten veranlasst hat, dass die Sperrung des Wieckenberger Weges zwischen Wietze und Fuhrberg inzwischen aufgehoben worden ist. Es ist sichergestellt, dass der Landkreis Burgdorf, der für die Sperrung zuständig ist, ihn nicht wieder sperren wird. Ich betrachte die Angelegenheit damit als erledigt.

Mit freundlichen Grüßen

Wir bedankten uns postwendend für diese Regelung.

Damit hatte der niedersächsische Ministerpräsident Kubel sein Versprechen eingelöst, das er uns, anlässlich der Wahlveranstaltung im Dorfgemeinschaftshaus in Hornbostel gegeben hatte.
Für einige Monate blieb der Heudamm offen. Er erfreute sich immer stärker werdender Benutzung. Dann wurde eine gerichtliche Beschwerde des Realverbandes Fuhrberg angenommen und eine baldige Entscheidung angekündigt. Bis dahin wurde die Min. Präsidenten-Anordnung ausgesetzt.

Sofort sperrte der Realverband den Heudamm erneut. Sie errichteten eine kompakte Schlagbaumsperre.

Solange die Wirtschaftskraft der DEA bestand, waren die Gemeinden Fuhrberg und Elze daran interessiert, die zwar schlechten Wege offenzuhalten, denn mehrere Bürger aus diesen Gemeinden waren in Wietze beschäftigt. Nach dem Niedergang der DEA erlosch das Interesse dieser Gemeinden an diese Wegeverbindung. Sie schirmten sich gegen uns ab.

Es gelang aber diese "Zonengrenze" einer breiten Öffentlichkeit bewusst zu machen, so dass Presse, Rundfunk und das Fernsehen immer wieder vom "Schlagbaumkrieg" berichteten. Nur so war es möglich die politischen und behördlichen Instanzen zu einer Reaktion zu veranlassen.

Nach diesen Ereignissen wurde ein richtiger Schilderwald an beiden Enden des Heudammes von der Realgemeinde Fuhrberg aufgestellt, der vielen Zerstörungen anheimfiel. Die Polizei des Landkreises Hannover unterstützte anfangs das Verlangen der Realgemeinde und erteilte in einigen Fällen beim Durchfahren des Heudamms Strafmandate. Doch nachdem die Gemeinde Wietze dagegen Einspruch einlegte, trat sie nicht mehr auf.

Darauf erfolgte der Bau einer Betonsperre quer über die Fahrbahn, so dass geländegängige landwirtschaftliche Traktoren sie ohne Schaden zu nehmen, überwinden konnten Doch jeder PKW blieb zwischen Vorder- und Hinterrädern mit der Fahrzeugwanne auf der Sperre hängen. Dies führte dazu, dass ein fremder Motoradfahrer der die Zustände dort nicht kannte, stürzte und seinen Verletzungen erlag.
In einem Gespräch mit dem Eigentümer des Feldes beidseits der Sperre durch den Wietzer Bürgermeister, erteilte uns dieser die Erlaubnis die Betonsperre über ein Stück seines Feldes zu umfahren. Er sollte dafür eine Entschädigung von uns erhalten. Es war uns ebenfalls bekannt geworden, dass dieser Landwirt mit den Beschlüssen seines Verbandsvorstandes oft nicht übereinstimmte.

Auch diese Sperren hielten nicht
Auf dem Heudammweg nach Fuhrberg ist die umstrittene Schlagbaumsperre nach 14tägigem Bestehen unbrauchbar gemacht worden.

Eine nach kurzer Zeit errichtete 2. Sperre mit hohen Erdaufwerfungen quer über den Straßenkörper, der rechts wie links mit einem Regenabflußgraben begrenzt ist, wurde nach kurzer Zeit beiseite geschoben.

Wietze hat Energie und hier zu leben, ist goldrichtig!