Ist der Männer- und Frauenchor nicht auch etwas für Sie? Argumente von Helga Franke

Raum Wietze: Gemeindezusammenlegung 1973

Bereits am 15. September 1970 kamen auf Wunsch des Landkreises die Ratsmitglieder der Gemeinden Hornbostel, Jeversen, Wieckenberg und Wietze erstmalig im Ratssaal von Wietze zusammen. Oberbaurat Olbeter und Assessor Zerdick sowie einige Herren der Kreisverwaltung wünschten die Erörterung gemeinsamer, übergebietlicher Interessen. Es wurde von diesen Herren besonders herausgestellt, dass wichtige Gebiete der kommunalen Tätigkeiten in größerem Verbund wirkungsvoller sein würden. Der Landkreis Celle würde daher eine finanzielle Unterstützung in diesen Bereichen nur noch dann gewähren, wenn der übergebietliche Rahmen vollzogen sei. Die berühmte und oft angewandte Politik des "Goldenen Zügels" wurde hier deutlich spürbar. Der Wietzer Bürgermeister Dr. Bunke erhielt den Vorsitz in dieser Sitzung. Er wies gleich zu Anfang darauf hin, dass hier nicht die Zusammenlegung der Gemeinden besprochen werden sollte, sondern nur die gemeinsamen Probleme und Aufgaben, die eine Erörterung in diesem Rahmen erforderlich machen würden. 

Man kam überein, dass, nachdem vor Jahren die Schulprobleme gemeinsam gelöst wurden und die Zeitung "Nachrichten aus Wietze" seit Anfang des Jahres 1972 gemeinsam herausgebracht wurde, nun auch die Probleme der Flächennutzungsplanung und die eines gemeinsamen Verkehrsvereins abgestimmt werden müssten. 

Aus den Bundesländern und auch aus Niedersachsen war bekannt geworden, dass bereits Gemeindezusammenlegungen freiwillig vollzogen waren. Einen solchen Vollzug lehnten unsere vier Gemeinden zu diesem Zeitpunkt noch ab, obwohl jeder Teilnehmer dieser Sitzung wusste, dass auch die niedersächsische Landesregierung hier tätig werden würde. 

Mitte 1972 erhielt jede Gemeinde einen "Schnellbrief" des Landes Niedersachsen. Hierin legte der niedersächsische Minister des Inneren einen Diskussionsvorschlag für die Neugliederung auf Gemeindeebene vor. Unsere Orte Wietze, Hornbostel, Jeversen und Wieckenberg waren zu einem Zuordnungsbereich mit 6.000 Einwohnern zusammengefasst worden. Begründet wurde diese Maßnahme damit, dass die jetzigen Gemeinden nicht in der Lage seien, die Aufgaben der Gegenwart und der erkennbaren Zukunft in dieser Form, wie sie jetzt vorhanden seien, zu erfüllen. Diese Aufgaben würden folgende Bereiche umfassen Flächennutzungsplan, Schulträgerschaft, Sport- und Badestätten, Be- und Entwässerung, Bau- und Unterhaltung von Straßen, Kassenführung, Altenbetreuung, Kindergärten, Gemeindeschwesternstationen, das Standesamt und die Sozialbetreuung wie auch die Pflege des Ortsbildes und der Ortsgeschichte sowie der Stärkung des Vereinslebens, die Unterhaltung von Friedhöfen und Denkmälern sowie einer Bücherei, der Fluss- und Wasserwirtschaft, der Feuerwehr, von Alarmanlagen und der Stärkung des Fremdenverkehrs. 

Der "Schnellbrief" sagte weiter aus, dass nach der Verordnung Wahlrecht zwischen der Form einer Einheitsgemeinde und der einer Samtgemeinde bestehen würde. Beide Formen schreiben vor, dass der neue gemeinsame Gemeinderat direkt, das heißt, von allen Einwohnern gemeinsam gewählt wird. In den Orten werden Ortsräte gebildet, die die besonderen Interessen der Orte vertreten sollen. Für die Wahl des Typs einer Samtgemeinde, in der die einzelnen Orte noch ein Hauhaltsrecht behalten würden, wurde die Einwohnerzahl von mindestens 400 für jeden einzelnen Ort und von möglichst 7.000 Einwohnern insgesamt für die Gemeinde vorgeschrieben. Die Mitglieder des Gemeinderates in Wietze sowie der Gemeindedirektor und die leitenden Angestellten waren sich einig darin, dass der Typ Samtgemeinde für Wietze nicht in Frage kommen könne, da er schon allein verwaltungsmäßig, umfangreicher und teurer sein würde. 

Auf einer weiteren gemeinsamen Sitzung aller Gemeinderäte unseres Zuordnungsbereiches, die am 20. April 1971 mit dem Oberkreisdirektor zusammen stattfand. konnte die von der Landesregierung geplante Zusammenlegung unserer Orte zur Einheitsgemeinde Wietze auf freiwilliger Basis nicht erreicht werden. Aus diesem Grunde wurde die Geltungsdauer der Räte in den vier Gemeinden bis zu einer Wahl im März 1973 verlängert. Der Nachbarort Winsen, der sich vorher freiwillig zusammenschloss, wählte bereits im Oktober 1972. 

Ende 1972 wurde uns folgender Gebietsänderungsvertrag zugestellt: 

Die Gemeinden Wieckenberg, Hornbostel und Jeversen, die im Zuge der Neugliederung der Gemeinden im Raum Celle durch Gesetz in die Gemeinde Wietze eingegliedert werden sollen und die Gemeinde Wietze schließen gemäß § 19 NGO (Niedersächsische Gemeindeordnung) vorbehaltlich der Genehmigung durch die Aufsichtsbehörde folgenden Gebietsänderungsvertrag: 

§ 1 - Benennung von Ortsteilen
Die Gemeinden Hornbostel, Jeversen und Wieckenberg führen als Gemeindeteile der vergrößerten Gemeinde Wietze ihren bisherigen Namen als Ortsteilbezeichnung weiter. 

§ 2 - Organe für die Übergangszeit
Bis zur Neuwahl des Gemeinderates und der Neubildung des Verwaltungsausschusses der Gemeinde Wietze werden folgende Interimsorgane gebildet.
a) Interimsgemeinderat
b) Interimsverwaltungsausschuss

Auf der ersten öffentlichen Sitzung des Interimsgemeinderates Anfang 1973, der aus
  • 13 Mitgliedern der Gemeinde Wietze,
  • 3 Mitgliedern der Gemeinde Hornbostel,
  • 2 Mitgliedern der Gemeinde Wieckenberg und
  • 1 Mitglied der Gemeinde Jeversen

gebildet wurde, wurde Bürgermeister Dr. Bunke zum Bürgermeister des Interimsgemeinderates gewählt.

In seiner Einführungsrede stellte er fest, dass der Rat der Gemeinde Wietze diese Entwicklung mit der Eingliederung der Nachbarorte nicht beeinflusst und auch nicht herbeigeführt habe. Wietze habe immer die freie Entscheidung der Nachbarorte respektiert trotz eigener finanzieller Nachteile. Er lobte die außerordentlich gute Zusammenarbeit in den letzten Jahren bei der Lösung der gemeinsamen Probleme und erwähnte dabei besonders das Schulwesen, die Schwesternstationen und die Regelung über die finanzielle Unterstützung des Kindergartens sowie der Jugendarbeit. Der Wietzer Gemeinderat wünschte außerdem, dass intern einzurichtende Ortsräte die speziellen Interessen der neuen Ortteile weiterhin regeln sollten.  

So wurde bereits in dieser ersten Interimsgemeinderatssitzung einstimmig beschlossen, dass alle bisherigen Ratsherren der Gemeinden Hornbostel, Wieckenberg und Jeversen weiterhin Mitglieder des Rates der jeweiligen Orte bleiben sollten. Die Wietzer Ratsherren versprachen sich durch diese Lösung, dass keine weiteren Angestellten mehr einzustellen seien, weil die einzelnen Ortsräte die speziellen Belange dieser Ortsteile besser regeln könnten. So wurden bis zur Gemeinderatswahl am 25. März 1973 alle Angelegenheiten der Gemeinde und auch der Orte durch die Ortsräte geregelt.

Dr. Erich Bunke - Auszug aus seinem Buch »Wietze im 20. Jahrhundert«

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