Ist der Männer- und Frauenchor nicht auch etwas für Sie? Argumente von Helga Franke

Prostitution: Begleiterscheinung des "großen" Geldes

Prostitution - Eine Begleiterscheinung des "großen" Geldes
(Auszug aus »Wietze im 20. Jahrhundert« von Dr. Erich Bunke)

Wietze hatte den Höhepunkt seines Erdölbooms erreicht. Als üble Begleiterscheinung des großen Geldes machten sich Fälle von Prostitution bemerkbar. Auch das ist ein Stück Geschichte unseres Erdöldorfes.

Ein " Anonymus" schreibt ans Landratsamt:
Die Zustände, die in letzter Zeit ins Unerträgliche gewachsen sind, beklagen sämtliche hiesigen Einwohner. Die Zahl der "Damen", die an den Lohntagen der Arbeiter nach Wietze kommen, um diese an den Freuden der Halbwelt teilnehmen zu lassen, wächst in jeder Woche. So lange nur einige nach hier kamen, ließen sich die Einwohner diesen Zustand stillschweigend gefallen, da sie glaubten, die Prostitution ließe sich nun einmal nicht aus der Welt schaffen.
Nun müssen aber diese Damen, die an einem Tage 60-80 Mark mit nach Hause nahmen, unter ihren Kolleginnen ausgeplaudert haben, welche Goldgrube sich hier in Wietze für ihr liderliches Handwerk befindet, denn es trafen an den Lohntagen in jeder Woche wieder mehr Frauenzimmer ein.
In letzter Zeit sind nun aber Zustände heraufbeschworen, die unhaltbar geworden sind; deshalb sind wir hier gezwungen, die Obrigkeit auf diese Zustände aufmerksam zu machen. In der letzten Woche waren 16-18 Damen hier, von denen die hübschesten und frechsten eine schwere Tasche voll Geld mit nach Hause nahmen. Sie kamen aus Hannover, Braunschweig und Hamburg.
Von verschiedenen Stellen sind nun diese Damen durch das energische Eingreifen einiger Ehefrauen, die ihre Männer wohl in Verdacht hatten, vertrieben worden. Jetzt zogen die meisten Prostituierten in eine andere unbeleuchtete Straße am Hotel "Glück Auf". In der hier genannten Straße haben die meisten Damen ihr "Geschäftslokal" eingerichtet. An allen Ecken und Winkeln, ja selbst auf einem Platz, wo sonst nur Öl-Wagen abgestellt werden, kann man sie an den betreffenden Tagen antreffen. Die wahren Zustände hier niederzuschreiben verbietet der Anstand.
Da nun die Verehrer dieser Damen, die sich auf diesen Tag wie auf ein Fest freuen, nicht gleich die richtigen Damen unterscheiden können, so ist es in letzter Zeit vorgekommen, dass anständige Frauen oder deren Töchter in der unerhörten Weise belästigt wurden.
Zweck dieser Zeilen soll sein, dass hier von der Obrigkeit eingegriffen wird, denn nur so, kann diesem Treiben ein Ende bereitet werden.

Antwort

Landratsamt Celle
Celle, 25.3.1909
U. R. mit drei Anlagen
An den Wachtmeister Herrn Müller in Steinförde

Zu eingehendem Bericht über die in anliegendem Schreiben behaupteten skandalösen Zustände.

Der Landrat

Wussten Sie schon, dass ein Grenzstreit zwischen Steinförde und Wieckenberg mit dem Sieg der Steinförder endete?