Wietze hat Energie und hier zu leben, ist goldrichtig!

Schlängelten sich früher große Flüsse tatsächlich durch die Landschaft?

Zunächst einmal: Renaturierungsmaßnahmen haben vielerlei Vorteile. Wird die Begradigung eines Flusses zurückgebaut, verringert sich z. B. seine Strömungsgeschwindigkeit und damit die Überschwemmungsgefahr. Außerdem siedeln sich ursprüngliche Tier- und Pflanzenarten wieder am Fluss an.

Aber: Das Idealbild, dass zu einer naturbelassenen Landschaft mäandrierende Flüsse gehören, ist falsch! Darauf wiesen die amerikanischen Geologen Robert Walter und Dorothy Merritts hin. Sie fanden heraus: Auch sich schlängelnde Flussläufe sind das Ergebnis menschlicher Eingriffe in die Natur – und zwar bereits seit dem Mittelalter.
Denn im Mittelalter errichteten die Menschen tausende Wassermühlen, um die Energie des Wassers zu nutzen. Vor dem Bau dieser Wassermühlen gab es so gut wie keine großen Flüsse. Stattdessen war Europa mit zahllosen kleinen Wasseradern überzogen. Das heißt: Zwar liefen Rhein, Donau oder Elbe durch die gleichen Täler wie heute, doch waren sie keine imposanten Flüsse – sondern ein ungeordnetes Netzwerk kleiner verzweigter Bächlein.

Erst nach dem Bau der Wassermühlen veränderte sich die Landschaft: Weil die Strömung der kleinen Bäche gering war, mussten diese gestaut werden. Tausende Mühlenteiche entstanden. In der Folge schwollen die Wasseradern an und vereinigten sich zu Flüssen – und erst deren geballte Wasserkraft fräste die heute bekannten Mäander in die Natur.

Autorin: Bettina Röttgers

Wussten Sie schon, dass der NDR 2008 im Erdölmuseum zu Gast war? (Download zum Nachhören)