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Erdölmuseum: Hunäus-Bohrung/150J/Festakt

150 Jahre Hunäus-Bohrung

Festakt
(die Darstellung basiert im Wesentlichen auf Beiträgen der lokalen Presse)

Rund 100 Besucher haben am Sonnabend, den 6.6.2009, die Einweihung des neu gestalteten Originalschauplatzes der ersten Hunäus-Bohrung in Wietze verfolgt. Festredner erinnerten dabei an die Anfänge der Erdölbohrung vor genau 150 Jahren - und deren Bedeutung bis heute: Denn Erdöl und Erdgas sorgen noch immer für Arbeitsplätze im Landkreis Celle.

Das Wietzer Erdölmuseum hat eine wahre Punktlandung hingelegt. Am Freitagnachmittag, wenige Stunden vor Beginn des offiziellen Hunäus-Festaktes am Sonnabendvormittag, wurden die letzten Arbeiten an einem Platz beendet, der mit allem Recht als historisch bezeichnet werden darf. Acht neue Stahlfiguren und eine Weltkarte erinnern jetzt an der Industriestraße, wenige Meter von der Bundesstraße B214 entfernt, an die weltweit erste erfolgreiche Ölbohrung im Jahr 1859, ein Ereignis, das wie kaum ein anderes die Entwicklung Wietzes und des Landkreises Celle bis heute prägt.

Konrad Hunäus, so formulierte es Wietzes Bürgermeister Wolfgang Klußmann in seiner Ansprache, sei eine Art Christoph Kolumbus des Erdöls gewesen. „Kolumbus suchte Hinterindien und fand Nordamerika, Hunäus suchte Braunkohle und fand Erdöl“, so Klußmann. Die Spuren der Erdölgeschichte in Wietze seien noch heute für jeden sichtbar, auch wenn der von Hunäus beschriebene „unabsehbare Wohlstand des Dorfes Wietze“ – ein Zitat aus dem Jahr 1859 – so jedenfalls nicht eingetreten sei. „Das Wort ‘Bedarfszuweisungsgemeinde’ gab es damals noch nicht“, spielte Klußmann auf die weniger schöne heutige Finanzlage an. Heute gehe es laut Klußmann darum, wie man aus der Erdölgeschichte möglichst touristischen Nutzen ziehen könne. „Mit dem Kulturhistorischen Lehr- und Wanderpfad ist es gelungen, sich diesem Ziel zu nähern”, meint er. Zirka 100.000 Euro habe dieses Projekt gekostet.

Glückwünsche der Landesregierung konnte Dr. Josef Lange, Staatssekretär im Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, überbringen. „Die ersten fündigen Bohrungen des Geologen Konrad Hunäus in den Jahren 1858/59 bilden den Beginn der industriellen Erdölförderung in Deutschland”, hob er hervor. Den entscheidenden Antrieb in der Entwicklung der Erdölförderung in Wietze rief die Entdeckung der ergiebigen Lagerstätten 1899 hervor. Sie lösten einen starken Aufschwung aus, der die ganze Region erfasste." Innerhalb kürzester Zeit habe sich Wietze zum überregionalen Rohstofflieferanten entwickelt. Den Platz an der Spitze habe dem Ort bis zum Ersten Weltkrieg niemand streitig machen können. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Ölschachtbetrieb zunächst fortgeführt - bis 1955 der 0lsandabbau eingestellt wurde und die Produktivität zunehmend zurückging. 1963 wurde die' Förderanlage schließlich stillgelegt. Sieben Jahre später wurde auf dem ehemaligen Ölfeld das Deutsche Erdölmuseum Wietze eingerichtet. In den vergangenen Jahrzehnten wurde es sukzessive ausgebaut.
Heute widme sich das Museum der anschaulichen und aktuellen Vermittlung der Themen Erdöl und Erdgas. Es strebe danach, seine Kooperation mit der Industrie sowie Forschungs- und Bildungseinrichtungen auszubauen und sich mit thematisch ähnlich ausgerichteten Museen in der ganzen Welt zu vernetzen. Langfristig sei geplant, das Engagement als Bildungseinrichtung zu verstärken. Lange hob hervor, dass Kinder und Jugendliche im Erdölmuseum durchaus als Zielgruppe erkannt worden seien. Und neben der Funktion als Werbeträger im Touristikgewerbe würde das Erdölmuseum auch kulturelle und regionale Identität vermitteln, weil anhand der Originale Vergangenes vor dem Vergessen bewahrt und so ein entscheidender Beitrag zur Auseinandersetzung mit der eigenen, auch örtlichen Geschichte und den Grundlagen der heutigen Lebensgestaltung geleistet werde.

Auch Erster Kreisrat Matthias Krüger (Vertreter des Landkreises Celle und Vorsitzender des Museumsverbundes) machte die Bedeutung des Ölfunds deutlich. Wietze habe durch das Öl einen geradezu märchenhaften Aufschwung hingelegt, sagte Krüger, der dann die Lacher auf seiner Seite hatte: „Die Wietzer Bauern waren die ersten Ölscheichs der Welt.“
Er hob hervor, dass sich alle bedeutenden Erdölfirmen im Landkreis Celle niedergelassen haben. In Produktion und Forschung gebe es viele kochqualifizierte Arbeitskräfte. Man habe eine krisensichere Säule der Wirtschaftsförderung.
„Wietze war der Schrittmacher einer stürmischen, aber auch nachhaltigen Wirtschaftsförderung”, so Krüger.

Heute hat die Erdölindustrie in Wietze keine große Bedeutung mehr, stattdessen sucht die Gemeinde nach Wegen, aus der Geschichte des schwarzen Goldes touristischen Nutzen zu ziehen. Dabei helfen soll die neue Hunäusbohrung genauso wie der schlicht gestaltete Lehrpfad zum Erdölmuseum, an dem sechs Informationstafeln aufgestellt wurden. „Dort wird über die Erdölforschung im Allertal informiert, die wir an bedeutenden Personen festmachen“, sagte Martin Salesch, Direktor des Erdölmuseums.

Fotos: H. Schröder

Staatssekretär Josef Lange, Erster Kreisrat Matthias Krüger, Wietzes Bürgermeister Wolfgang Klußmann und der Vorsitzende des Vereins Deutsches Erdölmuseum, Gerhard Greiner (von links), eröffneten den neu gestalteten Platz der Hunäus-Bohrung.

Anschließend wurde der neue „Kulturhistorische Lehrund Wanderpfad” zwischen der Hunäusbohrung und dem Deutschen Erdölmuseum Wietze offiziell eröffnet. Dann gingen die Gäste auf dem Pfad zum Erdölmuseum. Nach einem ökumenischen Gottesdienst und einer Brotsegnung in der Wagenremise Verhovec gab es einen Festvortrag von Dr. Gerhard Greiner, Vorsitzender des Verein Deutsches Erdölmuseum.