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Kleine Schwimmbadbesucher-Typologie

Die Schwimmbad-Schönheit

Man sollte sich wundern, aber scheinbar sind nicht alle Leute im Schwimmbad, um zu tun, was zu erwarten ist. Zwar sind diverse Kontakte mit dem Wasser bei der Schwimmbadschönheit nicht grundsätzlich ausgeschlossen, allerdings geht es hauptsächlich um etwas anderes. Schwimmbadschönheiten tauchen ähnlich herausgeputzt auf wie ansonsten für den abendlichen Discobesuch mit perfekt hergerichteter Frisur, Lippenstift, stylischer Sonnenbrille. Außerdem sind sie fast ausschließlich in Gruppen anzutreffen. Ein Blickfang ist die Schwimmbad-Schönheit aber allemal und ohne sie würde man sicher etwas vermissen.

Der Bahnenzieher

Den Bahnenzieher gibt es sowohl in weiblicher als auch in männlicher Ausführung. Zielgerichtet und entschlossen, ausgerüstet mit eng anliegender Badehose bzw. zweckmäßigem Badeanzug und Schwimmbrille, wird zunächst die Situation im Sportbecken begutachtet, um eine möglichst freie Bahn ausfindig zu machen. Ein Dorn im Auge ist dem Bahnenzieher stets die treibende Wasserhaube, mit der bei zu starkem Betrieb eine Auseinandersetzung oft vorprogrammiert ist. Unermüdlich zieht er seine Bahnen und wird dabei oftmals - vor allem von der treibenden Wasserhaube - bezichtigt, viel zu viel herum zu spritzen und rücksichtslos durchs Wasser zu „ballern”, was jedoch eher auf den aufgepumpten Sunnyboy zutrifft. Bekannt für seine Wendigkeit und schnelle Reaktionszeit in nahezu allen Schwimmlagen ist der Bahnenzieher im Gegenteil eher bekannt für seine meist vorausschauende Schwimmweise.
Diesem Typ sehr ähnlich ist der Linienzieher. Wie der Name bereits treffend sagt, ignoriert dieser Schwimmer alle geltenden Regeln und Pooletiketten. Er hat seine Linie zwar nicht käuflich erworben, aber glaubt fest daran, sie sich durch eine Art Gewohnheitsrecht verdient zu haben. Selbst wenn, und ich gebe zu, das ist in einem Schwimmbad höchst unwahrscheinlich, ihm ein 300 Meter langer Supertanker entgegen kommen würde, bliebe der Linienschwimmer konsequent auf seinem Kurs. Höflich gefragt, ob es ihm denn nicht möglich sei, wie alle anderen auch im Kreis zu schwimmen, kennt der Linienschwimmer nur eine einzige Antwort: „Ich war vor Ihnen hier!“

Der aufgepumpte Sunnyboy

Eine gute Figur zu machen? Für den aufgepumpte Sunnyboy die leichteste Übung. Er besticht durch einen makellos geshapten Body mit erstaunlicher Vorbräune und Muskeln, die ihn beim entspannten Schaulaufen über das Schwimmbadgelände schon fast zu behindern scheinen. Die meiste Zeit hält er sich in seichtem Gewässer oder in Beckennähe auf. Gelegentlich lässt er sich von seinen Artgenossen oder durch die Anwesenheit einer Gruppe von Schwimmbadschönheiten zu kurzen Sprinteinlagen im Sportbecken hinreißen, welche meistvon einer sturmartig unruhigen Wasseroberfläche begleitet werden, wodurch es auch zu gelegentlichen Verwechslungen mit dem Bahnenzieher und Konflikten mit dertreibenden Wasserhaube kommen kann.

Die Sonnenanbeterin

Wo andere schon längst gefühlt geschmolzen oder gegrillt sind wie ein Käsesandwich, da fängt die Sonnenanbeterin gerade erst an warm zu werden. Grundvoraussetzung: eine gesunde Sonnenstudio-Grundierung oder aber ein widerstandsfähiger Hauttyp. Ansonsten tut es wohl auch ein anständiger Sunblocker. Die Sonnenanbeterin ist meist in ständiger Begleitung ihrer Sonnenbrille und eines guten Schmökers anzutreffen, der oft den Anschein erweckt, schon mehr als ein Mal gelesen worden zu sein. Zwischendurch den glühenden Körper im feuchten Nass benetzen und schwubs wieder zurück in die Horizontale. Ihr Lieblingsplatz ist neben den großzügigen Grünflächen die Tribüne im Moskaubad und natürlich am neuen Beach vom Nettebad.

Die schwimmende Plaudertasche

Sie ist weniger hitzebeständig als die Sonnenanbeterin und deshalb die meiste Zeit im Wasser unterwegs. Zusammen mit ihrer Artgenossin schwimmt sie fleißig in Brustlage ihre Bahnen, zwar ohne dabei große sportliche Ambitionen zu hegen, aber immerhin mit dem Bewusstsein, ihrem Körper etwas Gutes zu tun. Im Gegensatz zurtreibenden Wasserhaube ist die schwimmende Plaudertasche allerdings durchaus gewillt und in der Lage, anderen Objekten im Becken auszuweichen und die parallele Grundformation, die sie zusammen mit ihrer Artgenossin bildet, für kurze Zeit aufzulösen um eine Kollision zu vermeiden. Bisher ist es kaum gelungen, die Gespräche der schwimmenden Plaudertasche zu belauschen. Worüber unterhalten die sich bloß?
Diesem Typ sehr ähnlich ist die Erzählerin. Sie taucht nie alleine, sondern ausschließlich paarweise auf und ist fast immer weiblich, obwohl ich durchaus auch schon männliche Exemplare beobachten konnte. Sie benötigt immer einen Gegenpart, die sogenannte ZuhörerIn. Die Erzählerin liebt es, Bahn für Bahn über die neusten Gehversuche ihrer Sprösslinge oder die üblen Waschgewohnheiten der Nachbarin zu berichten. Den Kopf hält sie dabei stets seitwärts, um höflicherweise den Blickkontakt mit der Zuhörerin zu halten, die auf gleicher Höhe neben ihr herschwimmt. In Art und Gattung ähneln sie dabei stark den Linienschwimmern, denn nahende Hindernisse blenden sie völlig aus und konzentrieren sich voll und ganz auf den einzigen Sinn und Zweck, den eine Schwimmbahn nun einmal hat – das Erzählen!

Die treibende Wasserhaube

Unverwechselbares Erkennungsmerkmal ist oft die zeitlose Badekappe, in der Optik häufig einer Dauerwelle nach-empfunden. Mit einem Durchschnittsalter von etwa 60 Jahren kann sie alleine, aber auch in kleinen Grüppchen angetroffen werden. Zusammen mit Artgenossinnen kommt sie etwa auf ein Personen-Schwimmbahnen-Verhältnis von 3:4, wobei sich die treibende Wasserhaube in vielen Fällen nicht durch die Längsausrichtung des Schwimmbeckens aufhalten oder einschränken lässt. Durch das langsame Durchschnittstempo bekommt die treibende Wasserhaube gerade für den Bahnenzieher den Charakter von unberechenbar auf dem Wasser schwimmendem Treibgut, welchem es geschickt auszuweichen gilt.

Die Senioren

Diese Gattung Schwimmer hat eigentlich gar keine Zeit zum Schwimmen! Ihr Tagesablauf ist streng geregelt und daher drängen sie sich schon 10 Minuten vor Öffnung des Bades vor dem Eingang, wo mutige Mitarbeiter sie mit hilfe von Barrikaden von einem verfrühten Stürmen des Gebäudes abzuhalten versuchen. Werden die Tore schließlich geöffnet, fühlt man sich kurzfristig nach Pamplona versetzt und hat das Gefühl, die Menge würde von wütenden Stieren ins Bad gejagt. Noch im Lauf fetzen sie sich die Kleider vom Leib, werfen sie hastig in eine Ecke und hechten ins Becken, um die beste Bahn zu ergattern. Knappe 40 Minuten später herrscht allerdings gähnende Leere im Bad, denn die Senioren arbeiten dann bereits am nächsten Punkt ihrer straffen Tagesordnung.
 
Der Platzvernichter

Ein Platzvernichter schafft es, die Naturgesetze außer Kraft zu setzen, und trotzt stoisch den Erkenntnissen moderner Physik. Sein Körper ist nämlich in der Lage mehr Raum einzunehmen, als es ihm durch sein eigentliches Volumen möglich wäre. Dies schafft er dadurch, dass er seine Gliedmaßen tentakelartig zuckend in alle Richtungen schleudert. Selbst zu zweit auf einer Bahn ist ein normales Schwimmen mit ihm nicht möglich. Die Lieblingslage das Platzvernichters ist das Rückenschwimmen – wohl um die ängstlichen Gesichter seiner Mitschwimmer nicht sehen zu müssen. Wirklich gefährlich wird der Platzvernichter allerdings in Kombination mit ungeschnittenen Zehennägeln, die er beim exzessiven Brustschwimmen messerartig gegen zufällig vorbeiziehende Kraulschwimmer einsetzt.

Die Seerose

Die Seerose ist ein sehr edles und erhabenes Geschöpf, das seinen Kopf stets majestätisch oberhalb der Wasseroberfläche trägt. Auf ihrem stolzen Haupt blüht eine üppige Dauerwelle, die äußerst empfindlich auf das Element Wasser reagiert. Ein komplettes Untertauchen ist für die Seerose ebenso undenkbar wie Schwimmen bei Regen. Darum trifft man sie meist auch nur in überdachten Anlagen an. Früher trug die Seerose geblümte Badekappen, was sie aber heute aus modischen Gründen tunlichst vermeidet. Auf Wasserspritzer im Kopfbereich regiert sie mit zischenden Lauten und energischem Schütteln des gesamten über Wasser sichtbaren Blütenbereiches. Vermehrte Verfehlungen quittiert sie mit Blicken, die schon Schwimmer zu Stein haben erstarren lassen.

Der Schläger

Er ist immer männlich, hat oft bei der Verteilung der Körperbehaarung zweimal angestanden und trägt vielfach „böse“ Tattoos, um seine Männlichkeit und den vorhandenen Testosteronüberschuss noch deutlicher zu zeigen. Im Wasser ist er ein wahrer Mississippi-Dampfer und drischt alles nieder, was ihm in die windmühlenartig schlagenden Fänge gerät. Er scheint bereits das Fruchtwasser im Mutterleib nicht recht gemocht zu haben, denn mit jedem Zug prügelt er zornig auf das Wasser ein. Entgegen seinem Namen ist der Schläger trotz seiner leicht prähistorisch anmutenden Art und Weise oft umgänglich und nett, wenn man ihn erst einmal kennengelernt hat und die blutende Nase versorgt ist.

Der Triathlet

Er lässt sich auch ohne den obligatorischen Neoprenanzug sehr gut daran erkennen, dass er bereits mit gequältem Gesichtsausdruck auf das 25 Grad warme Becken zuschreitet und dabei nervöse Blicke auf die Anzeigetafel wirft. Dem Triathleten ist Wasser außerhalb einer Badewanne erst dann warm genug, wenn sein Neoprenanzug Blasen wirft. Oder wenn er sich mit dem Wasser aus dem Becken, ohne es zuvor kochen zu müssen, eine Tasse Tee zubereiten kann, die er aber erst fünf Minuten abkühlen lassen muss, um sie trinken zu können. Auf die Frage, ob er seine Sauerstoffflasche zu Hause vergessen habe, reagiert er meist gereizt. Wird er in ein Gespräch verwickelt, so lautet einer seiner ersten Sätze stets: „Schwimmen ist nicht so meine Disziplin – ich mache das dann sowieso auf dem Fahrrad wieder gut!“

Der Sportschwimmer

Auch diese Art von Schwimmer setzt Naturgesetze auf eine nie gekannte Art und Weise außer Kraft. Er schafft es nämlich, durch all die vorab genannten Schwimmer einfach hindurchzuschwimmen! Man fühlt sich zu Recht oft an die Teleportation aus Star Trek erinnert, wenn er geschmeidig wie ein Fisch verletzungsfrei einen Platzvernichter kreuzt oder durch eine Gruppe von ErzählerInnen taucht. Bei der Rollwende schafft sie es geschickt, die sich am Ende des Becken tummelnden „am-Rand-Diskutierer“ nicht mitten ins Gesicht zu treffen. Gefragt, ob es ihnen denn nicht zu viele Leute seien, antwortet er meist schelmisch lächelnd: „Welche Leute?“

Ich hoffe, dass meine nicht zu ernst gemeinte Schwimmertypisierung Ihnen das eine oder andere breite Grinsen entlockt, wenn Sie jemanden wiedererkennen. Ich hoffe aber auch, dass ich mit dieser etwas überspitzten Darstellung für etwas mehr Toleranz und Umsicht im Schwimmbecken beitragen kann, denn davon gibt es leider allzu oft viel zu wenig.

Hans Pape

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